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Fenrirs blog

Ab in den Flieger

Heute stieß ich beim Blättern im Internet erneut auf diese Meldung, die ich schon einmal gelesen, aber wieder vergessen hatte. In diesem Bericht geht es darum, dass ein Vertreter der US-Regierung bei einer Anhörung vor einem britischen Berufungsgericht das Recht der Vereinigten Staaten auf die Entführung ausländischer Staatsbürger auch außerhalb der USA betont hat, um diese dortselbst vor Gericht stellen zu können.

Hierbei berief er sich auf ein Gesetz, das seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts in Kraft sei. Nun werden sich die meisten kaum an diese Zeit erinnern können, daher nochmal kurz zur Erinnernung: Zu der Zeit war man in den Staaten grade eifrig dabei Cowboy und Indianer zu spielen, wobei erstere an letzteren gezielt Völkermord begingen. Sprich: Zivilisation in all ihrer Pracht wurde zur Schau gestellt.

Da ist es natürlich naheliegend, dass in Zeiten der Globalisierung das Spiel auf die ganze Welt ausgedehnt wird und man mit rauchenden Colts in befreundete Staaten einfällt um dort Steuerflüchtlinge oder Urheberrechtsverletzer zu jagen. Um das ganz klar zu stellen: Es handelt sich hier keineswegs nur um eine theorethische Option. Unter dem Schutz (Vorwand) dieses Gesetzes wurde bereits mehrfach gehandelt und zwar auch in Staaten mit denen die USA gültige Auslieferungsabkommen haben.

Und um auch dies zu erwähnen: Das Gesetz ist vielen Amerikanern selbst peinlich und sollte nach deren Ansicht abgeschafft werden. Dennoch scheint der aktuellen US-Regierung kein Grund nichtig genug zu sein um auch (im Falle Großbritanniens besonders enge) Verbündete vor den Kopf zu stoßen und den Ruf des eigenen Landes weiter zu schädigen. Ist doch ironisch, dass ein knallharter Oligarch wie Putin im Vergleich zu Bush mittlerweile wie ein lupenreiner Demokrat wirkt.

Ein anderer Punkt ist aber der: Wenn nun ein Mensch befürchten muss unter Anwendung dieses Gesetzes gekidnapped zu werden. Und wenn dieser Mensch weiterhin weiß, dass in den USA prinzipiell die Todesstrafe nicht abgeschafft ist (unabhängig davon ob diese bei ihm überhaupt zum Tragen käme), was würde mit dieser Person oder den eventuell engagierten Personenschützern passieren wenn sie bei einem Entführungsversuch die mutmaßlichen Entführer töten? Die Entführer würden sich zwangsläufig des Menschenraubes strafbar machen (im betreffenden Land hätten sie ja keine Autorität), was ein Kapitalverbrechen ist. Damit käme in jedem Fall Notwehr als Argument in Betracht.

Um den Gedanken aber noch weiter zu spinnen: In der Annahme, dass die mutmaßlichen Entführer keine rückverfolgbaren Erkennungszeichen mit sich tragen würden, wie kann dann bewiesen werden, dass der tote Amerikaner (bzw. die toten Amerikaner) neben dem Geschäftsmann diesen wirklich entführen wollte(n)?

Man kann also durchaus sagen: So soll eine Rechtsauffassung sein - Unsicherheit schaffen und Menschenrechte misachten, sowie Verbündete brüskieren. Da sag doch noch einer die Welt wäre gar nicht so seltsam.

Kriegt jeder was er verdient?

Wer dieser Tage, wie ich, in seinem Internet blättert, stößt zwangsläufig auf die erneut entflammte Diskussion um überzogene Managerbezüge.

Nun sind in dieser Thematik bereits viele Punkte vorgetragen worden, was mich aber keineswegs davon abhält auch noch in die Diskussion einzusteigen.

Auf der einen Seite ist natürlich klar, dass ein leitender Angestellter mehr verdienen sollte als ein "normaler Arbeiter" (was immer das sein mag) und es ist auch völlig in Ordnung, dass die Firmenleitung das höchste Gehalt im Unternehmen einstreicht. Aber: Es muss einem Vorstand auch klar sein, dass er selber "nur" ein Angestellter seiner Firma ist, nicht wirklich anders als viele andere. Wie Unmengen an Beispielen zeigen, steht oder fällt eine AG nicht mit ihrem Vorstand (oder nur in extremen Ausnahmefällen), nicht einmal mit ihrem CEO.

Auch das gerne vorgebrachte Argument der erhöhten Verantwortlichkeit ist selbstverständlich totaler Humbug, da gefeuerte Vorstände reihenweise ihren Mangel daran unter Beweis gestellt haben. Selbst diejenigen, die für Unmengen an verlorenen Arbeitsplätzen und deutliche Umsatzeinbußen verantwortlich waren, verließen ihre Posten nicht ohne gigantische Abfindungen (besser bekannt als goldene Fallschirme), ohne auch nur im geringsten für ihr Versagen einzustehen.

Der Aussage, dass geringere Managergehälter die Abwanderung ins Ausland beschleunigen würde, setze ich entgegen: Sehr gut, dann macht das so. Wenn die reine Gier das einzige Qualifikationskriterium für einen Manager ist, dann bin ich froh über sein Auswandern. Es sollte nicht schwer sein einen mindestens ebenso qualifizierten Menschen zu finden, der den Job gerne für ein geringeres Gehalt macht (einfach nur die Regeln der Globalisierung mal auf die oberen Ränge anwenden - was für die niederen Gehälter passt, muss für die hohen auch gehen, oder?).

Wir haben doch ein statistische Bundesamt. Dieses stellt für jedes Jahr das Durchschnittsgehalt der deutschen Arbeitnehmer fest (wo sich jeder immer fragt: warum krieg ich nicht so viel [derzeit ca. €38.000/Jahr]). Warum kann man nicht dies als Ansatzpunkt nehmen und sagen: Das Höchstgehalt was ein Arbeitnehmer in der BRD verdienen darf (incl. geldwertem Vorteil und Sonderzahlungen) liegt bei dem 12fachen dieses Wertes. Optional könnte man die Statistiker noch veranlassen die Bezüge der Arbeitssuchenden mit einzurechnen.

Ich sehe dadurch folgende Vorteile: Zum einen erzwingt man dadurch ein sozialeres Verhalten der Vorstände, die sich selbst nur dann stärker bereichern können, wenn es allen besser geht. Außerdem wird eine Obergrenze geschaffen, an der es nicht mehr weiter geht. Damit wird die unbegrenzte Gier eingdämmt. Gleichzeitig kann der Sozialneid, der natürlich auch eine Rolle in dieser Diskussion spielt, auf diesem Weg gemindert werden. Durch die Einsparungen fiele es den Unternehmen dann vermutlich auch leichter wieder Arbeitsplätze für einfache Tätigkeiten zu schaffen, die derzeit auf anderem Wege erledigt werden oder liegen bleiben. Durch die neu eingestellten Mitarbeiter steigt ja auch wieder der Durchschnittsverdienst und somit mittelbar das Einkommen der Geschäftsführung.

Im Gegenzug ließe sich dann sicher auch über weitere Lockerungen beim Kündigungsschutz diskutieren. Wenn man ja sicher sein kann, dass die Gesellschaftsführer kein echtes Interesse mehr an Arbeitslosigkeit haben können, fiele es den Gewerkschaften sicher deutlich leichter hier Zugeständnisse zu machen.

Kern des Gedankens ist in jedem Fall, dass eine Kopplung zwischen dem Manager und der Gesellschaft erzwungen wird (wichtig: der gesamten Gesellschaft, nicht nur der eigenen Belegschaft), da ja ganz offensichtlich die freiwillige Kontrolle und die viel beschworenen Marktmechanismen nicht funktionieren. Wir leben nunmal dem Gesetz nach in einer sozialen Marktwirtschaft, nicht in einer freien. Dies ist die Kernausrichtung unseres Staates und wir sollten uns endlich wieder daran erinnern, beziehungsweise diejenigen mit schlechtem Gedächtnis darauf stoßen.

Durchaus denkbar, dass ein Herr Akermann den Ansatz ziemlich seltsam findet.

Warum fragen die mich, frag ich mich

Während ich so gemütlich durch mein Internet blätterte, klingelte heute morgen mein Telefon. Eine junge Dame interessierte sich allem Anschein nach für meine Meinung.

Da ich ja auch nicht davor zurückschrecke selbige auf diesen Seiten öffentlich zu machen, war ich natürlich nicht abgeneigt ihr Auskunft zu erteilen. Ich gönne ja jedem Studenten die paar Euro, die er oder sie damit nebenher verdienen kann.

Dennoch fällt es mir schwer zu begreifen welchen Sinn diese Umfragen haben sollen. Wenn man mal davon absieht, dass (vermutlich) eine Menge Leute ihre Beteiligung an einer solchen Befragung verweigern, kann doch ohnehin niemals sichergestellt werden, dass diejenigen, die Rede und Antwort stehen in der Tat die Wahrheit sagen.

Ich hatte vor längerer Zeit mal ein Gespräch mit einem Mann, der mir erklärte, dass er mit größter Begeisterung immer wieder vollkommen falsche Aussagen zu seinen politischen Ansichten oder seinen Konsumplanungen zu Protokoll gebe. Er begründete dies damit, dass er darin den einzigen Weg sehe, um längerfristig den Meinungsumfragen den Garaus zu machen. Nur wenn die Umfrageergebnisse sich bei späterer Prüfung deutlich von den Erfahrungswerten unterschieden, bestünde die Chance, dass seitens der Auftraggeber deren Nutzen in Zweifel gezogen würde.

Nun könnte man dieses Vorgehen durchaus als Sabotage werten, andererseits ist es aber auch ein absolut vertretbarer persönlicher Standpunkt zu sagen: "Ich hasse Meinungsumfragen und möchte, dass sie verschwinden.". Das ironische hierbei ist folgendes: Die sogenannten Meinungsumfragen werden ihrem Namen nur sehr selten gerecht. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich nur um Befragungen zur Kaufplanung und zur Zufriedenheit (die meines Erachtens durch eine solche Befragung im Nachhinein erheblich sinkt), und keineswegs um die Frage nach einer echten und eventuell fundierten Meinung. Wenn man aber durch das Unterwandern der Befragung, selbige entwertet hat man eigentlich tatsächlich eine Meinung kundgetan und diese auch noch unter Beweis gestellt.

Ist es nicht seltsam, dass man jemanden zwingen kann etwas zu bekommen, was er nur behauptet zu wollen, aber eigentlich gar nicht will? 

Auch ein Weg

Weg zur Arbeit 041207

So sah das heute morgen auf dem Weg zur Arbeit aus. Mir gefiel das gerade so gut, da hab ich es mit meinem Handy geknipst.

Wer das Bild mag kann sich ja die Seite aus seinem Internet rausreißen und daheim an die Wand heften.

Gar nicht so seltsam wie man meinen könnte.

 

Ich bin schon auf dem Weg

Wenn man grade mal nicht durch sein Internet blättert, hat man oft Zeit zum Nachdenken, zum Beispiel über einfache Dinge wie Redewendungen.

Der Weg ist das Ziel.

Dieser simple Satz kann in unterschiedlichen Situationen, ganz unterschiedliche Bedeutung erlangen. Primär sehe ich dahinter den Gedanken, ein Ergebnis von vornherein nicht als statisch anzusehen sondern als Prozess.

Ein einfaches Beispiel hierfür ist der Bereich Sicherheit am PC. Hier gibt es die (aus dem englischen stammende) Redewendung "Sicherheit ist eine Reise, kein Ziel" (Security is a journey, not a destination). Hiermit soll einfach klargemacht werden, dass man niemals einen Punkt erreichen kann, an dem man sein System völlig gesichert hat. Irgendwann wird jemand eine neue Sicherheitslücke entdecken, die dann wieder geschlossen wird - ein endloser Kampf.

Andererseits kann man darin natürlich auch eine einfache Durchhalteparole sehen, in etwa "Weitermachen um jeden Preis" oder "das Ziel ist einfach voran zu kommen". Sicher auch eine legitime Ansicht, aber ich fand dies eigentlich immer etwas zu kurzsichtig. In einer Situation in der so etwas gebraucht werden könnte würde ich ein motivierendes "du schaffst das schon" (wir / ich...) für sinnvoller halten.

Ich denke aber, dass einer der wichtigsten Aspekte dieses Ausspruchs darin besteht den eigenen Lebensweg zu verstehen. Während man diesen beschreitet wird man mit Entscheidungen konfrontiert, die, mal mehr mal weniger, die eigene Zukunft beeinflussen. Welche Richtung man an diesen Verzweigungen einschlägt wird zum einen durch Umfeld, Erziehung und vermutlich auch Gene beeinflusst, bestimmt aber auch umgekehrt die eigene Persönlichkeit. Je mehr dieser Entscheidungen man trifft um so stärker manifestiert sich darin das Individuum. Daher halte ich es für essentiell, dass man in der Lage ist den eigenen Weg nachzuvollziehen.

Man sollte sich selbst gegenüber mit schonungsloser Offenheit akzeptieren können, warum man welche Entscheidung getroffen hat, selbst dann wenn einem die Faktoren eventuell so peinlich sind, dass man sie nie einem anderen anvertrauen würde. Denn hier kommt nun ein anderer wichtiger Punkt ins Spiel: Das Erwachsensein. Ich denke, dass man dann erwachsen ist, wenn man sich selbst genauso wie einen anderen Menschen betrachten kann und in der Lage ist sich selbst zu akzeptieren wie man sich eben sieht.

Wenn man dies erreicht hat sollte eigentlich der Weg durchs Leben wesentlich leichter fallen, denn wenn man wenigstens sich selbst richtig erkennt und einschätzen kann, dann bietet der bereits beschrittenen Weg einen sicheren Anhaltspunkt für die Zukunft.

Nightwish - Ghost Love Score (Auszug):

I can't see the path before me,
the one behind will lead me.

Sicher gibt es hierzu noch vieles zu sagen oder schreiben und ich würde mich freuen andere Ansichten hierzu zu hören. Bis dahin hoffe ich, dass dieser kurze, gedankliche Ausflug die Welt ein wenig weniger seltsam erscheinen lässt.

Wann kommt die Flut?

Was musste ich da heute wieder beim Blättern in meinem Internet lesen: Das Klima ändert sich, die Erde erwärmt sich und das könnte Probleme mit sich bringen! Vor lauter Schreck hätte ich beinahe meinen Kaffee verschüttet.

Ja wer hätte das gedacht, kaum treibt man mal hundert Jahre lang Schindluder mit seinem Planeten, schon reagiert der mürrisch und macht einem das Leben schwer. Wer hätte denn auch ahnen können, dass das eigene Handeln Folgen hat?

Dabei schien doch alles zunächst so gemütlich: Wir rasen auf einem Eisenklumpen rund um einen riesigen Fusionsreaktor durchs Vakuum während uns eine dünne Haut aus Gas vor den Gefahren des Universums schützt. Da wird man doch mal ein klein bischen Party machen dürfen und mal rumprobieren ob sich irgendwas tut wenn man die Zusammensetzung von besagtem Gas etwas manipuliert.

Da wird man doch wohl erwarten können, dass die Erde nicht gleich bockig wird und keine Lust mehr hat mit einem zu spielen. Jetzt hat sie anscheinend vor, ein paar tiefliegende Küstenregionen zu fluten, nur weil ihr grad 'n bischen warm ist. Das ist doch wohl keine Einstellung. Da muss man sich doch mal zusammensetzen und miteinander reden. So machen wir Zivilisierten das doch auch immer: Wir setzen uns hin und reden - solange bis das Problem wegdiskutiert ist. Einfach hingehen und was machen, Tatsachen schaffen, das gilt als schlechter Stil. Ist auch fies einfach die anderen unter Zugzwang zu setzen indem man zeigt, dass es gehen könnte.

Ja Planet, wir habens gehört, du bist der große Macher - aber wie ich ohne Sprit morgens auf die Arbeit kommen soll sagst du mir auch nicht. Immer nur am meckern. Kann ja wohl keiner verlangen, dass ich mein Verhalten ändere oder sogar Einbußen hinnehme. Es kann doch nicht ernsthaft von mir erwartet werden, dass ich mir auch noch Gedanken um den Planeten machen muss. Soll der doch selber machen. Der ist doch alt genug. Und groß genug isser auch. Ich muss doch auch selber sehen wo ich bleibe.

Wo kämen wir denn hin wenn plötzlich jeder das Wohl der Erde bei seinen Entscheidungen im Hinterkopf hätte?

...

Mann, das wüsste ich wirklich gerne. Vielleicht wäre die Welt dann weniger seltsam.

Gedankentreiben

Ich habe mein Internet mal zugeklappt und säuberlich gefaltet neben mir liegen. Und während ich da so sitze komme ich ins grübeln.

Manchmal sind es ganz einfache Gedanken oder auch Worte, die einen lange beschäftigen. Etwas, das man irgendwo gelesen hat, das irgendwer gesagt hat oder auch nur ein geflügeltes Wort - irgendein Anlass durch den man veranlasst wird sich mit einem bestimmten Gedanken mehr als nur oberflächlich zu befassen. Man sieht in einem einfachen Gedanken plötzlich ein komplexes Gebilde. Dabei spielt es eigentlich gar keine Rolle ob man übertreibt, sich in etwas hineinsteigert, etwas nur sehen will oder ob wirklich viel mehr dahintersteckt als zunächst angenommen. Wichtig ist: Man lässt sein Denken um ein Thema kreisen und versucht auf diese Weise herauszufinden, wie eine Idee mit anderen verknüpft ist.

Ich vermute mal, dass jeder diesen Vorgang schon das ein oder andere Mal durchlaufen hat und erstaunt erlebt hat wie sich ein Grundkonzept plötzlich in alle möglichen zunächst gar nicht vorstellbaren Richtungen entwickelt hat. In den 80ern war eine Variante dieses Konzepts mal als "Brainstorming" bekannt. Man versuchte Kreativität zu fördern indem man frei assoziierte. Ich schreibe hier aber eher über eine Art geistigen Bildschirmschoner. Das was der eigene Verstand so macht wenn sonst nix für ihn zu tun ist.

Von besonderem Interesse sind hier zwei Aspekte: der Weg den die Gedanken von einer bestimmten Idee ausgehend nehmen und Zusammenhänge, die man nicht erwartet hätte.

Wichtig erscheint mir hierbei, dass man Gedanken(spazier)gänge nicht blockiert indem man sich selbst geistige Sperren auferlegt. Ein wiederkehrendes Motto in diesem Zusammenhang ist "Die am schwersten zu überwindenden Grenzen sind in den Köpfen!" (auch ein Gedanke, den man auf vieles anwenden kann).

Es ist ungeheuer spannend mitzuerleben wie sich die eigenen Gedanken bewegen -  manchmal ganz wie von selbst, manchmal scheinbar gar nicht, dann wieder sprunghaft. Häufig vergisst man auch wieder etwas und erinnert sich nur noch daran, dass man da eigentlich einen wirklich interessanten Weg gegangen ist. Wenn man aber nicht krampfhaft versucht wieder dorthin zurückzufinden und den Geist einfach treiben lässt werden sich immer wieder neue spannende Assoziationen ergeben.

Ich habe mittlerweile einige Benutzerkonten eingerichtet und vielen davon auch Editor-Rechte eingeräumt. Wer immer dies liest und gerne von einem Spaziergang im eigenen Kopf erzählen möchte, der sei herzlich eingeladen dies zu tun. Wer noch keine Schreibrechte hat, dem richte ich gerne ein Konto ein, auf Wunsch auch mit anonymer Email-Adresse.

Manches in unserer seltsamen Welt lässt sich nur mit seltsamen Gedankengängen richtig erfassen. 

Wer dran glaubt...

Während ich so entspannt durchs Internet blätterte überkam mich ein Gedanke, den ich seit einiger Zeit immer wieder verfolge: Ist Kapitalismus eine Religion?

Was im ersten Moment (und vielleicht auch später noch) total blödsinnig klingt, hat bei weiterem Nachdenken doch einiges für sich. Was für eine Religion wäre das denn? Nun auf jeden Fall eine, der man leicht folgen kann.

Ein Gott, der sein eigenes Reich gar nicht erst auf das transzendente Jenseits ausdehenen will sondern sich mit der totalitären Herrschaft im Diesseits zufrieden gibt. Die Symbole seiner Herrschaft sind allgegenwärtig: €, £, ¥ und natürlich der allmächtige $ (derzeit etwas geschwächt, aber keinesfalls besiegt).

Ein Gott, der klaglos andere Götter neben sich duldet, solange ihm nur ausreichend gehuldigt wird.

Ein Gott, der keine der klassischen Sünden verurteilt, sie sogar duldet oder fördert. Der das Ego in den Vordergrund stellt und kein lästiges Sozialverhalten fordert. Du willst es? Dann nimm es dir. Es geht nicht so leicht? Dann lüg, betrüg oder stiehl um es zu bekommen. Dein Lohn wartet nicht im Nachleben auf dich sondern hier und jetzt. Die Gläubigsten sind auch die denen es gleich hier am Besten geht. Deine einzige Herausforderung? Nicht mit jemandem anlegen, der gläubiger ist als du selbst.

Die Anhänger dieser Religion errichten ihre eigenen Tempel in denen unverholen ihrem einzig wahren Gott gehuldigt wird. Die Inbrunst dieser Anbeter treibt jedem italienischen Kardinal das Gelb des Neides ins Gesicht.

Die Hohepriester dieser Religion halten in den obersten Etagen der Banken und Börsen Hof und sind dem gemeinen Volk weit entrückt in einer ganz eigenen Sphäre die einem Normalsterblichen auch nicht weniger verschlossen bleibt als das ominöse Paradies.

Angriffe auf die göttliche Macht werden mit religiösem Eifer geahndet. Menschen, die es wagen sich einem weniger rücksichtslos egoistischen Lebensweg zu verschreiben werden in einer ersten Stufe lächerlich gemacht um weitere, potentielle Ketzer abzuschrecken, und wenn dies nicht ausreicht mit aller Gewalt bekämpft. Wurde der "Kampf gegen den Terror" nicht durch den Angriff auf eines der Wahrzeichen dieser Religion ausgelöst? Sind die "Terroristen" nicht Menschen, die einem anderen Gott mehr Macht einräumen?

Man kann es drehen wie man will: Geld regiert die Welt - seltsame Welt. 

Ist witzig wirklich wichtig?

Als ich heute Entspannung suchend durch mein Internet blätterte, blieb mein Blick auf einem Artikel stehen, in dem ein durchaus bekannter Redakteur des "Spiegel" eine seiner häufigen Glossen verfasst hat. In dieser ging es um den Comedian Mario Barth.

Nun ist es sicher kein Verbrechen diesen nicht zu mögen - über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Damit ergibt sich aber auch genau der zentrale Denkfehler des Artikels, der nämlich genau dies versucht. Ich vermute mal, dass jeder, der sich auch nur ein bischen für diese Form der Unterhaltung erwärmen kann, in der schnell wachsenden Gemeinde der deutschen Comedians jene findet die er liebt bzw. hasst. Es ist wohl auch unstrittig, dass Herr Barth sich nicht unbedingt um ein besonderes intellektuelles Niveau bemüht, fraglich ist allerdings ob man aus diesem Umstand kombiniert mit Barths wirtschaftlichem Erfolg den heraufziehenden Untergang des Abendlandes ableiten kann.

Laurel und Hardy haben zweifellos auch nicht ansatzweise die feinen Nuancen eines Charlie Chaplin beherrscht (dem das letztlich das Exil einbrachte), dennoch folgte auch ihren gut besuchten Filmvorführungen üblicherweise nicht die Apokalypse. Eine interessante Beobachtung, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe ist die, dass Humor eigentlich immer verloren geht wenn er allzu genau betrachtet wird. Das scheint so etwas wie die Heisenberg'sche Unschärferelation des Intellekts zu sein (in der Physik heißt das vereinfacht, dass die Beobachtung selbst das Ergebnis verfälscht, weil das beobachtete System beeinflusst wird). Auch ein Volker Pispers baut einen Teil seines Programms auf dem gesammelten Vortragen von Statistiken auf. Das (durchaus beträchtliche) Amüsement der Zuschauer resultiert aber aus der Art des Vortrags womit ein Bezug zu (hoffentlich) bekanntem hergestellt wird.

Es ist Teil des Humors, dass er sich auf jedem Niveau praktizieren lässt. Ich selbst halte es für wichtig, dass man sich selbst eine ironische Distanz zu Dingen verschaffen kann, ganz gleich ob sie ernster Natur oder völlig belanglos sind. Die Fähigkait etwas aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten hält den Geist in jedem Fall aktiv, da spielt das Beobachtete selber eigentlich gar keine Rolle. Wichtig ist allenfalls (für den Zuschauer), dass man den Witz versteht. Dieser Humor scheint dem oben genannten Autor aber leider abhanden gekommen zu sein.

In seinem Text versucht besagter Redakteur sich an allerbilligsten Wortspielen und Kalauern (nicht, dass ich schlechten Scherzen abgeneigt wäre - ganz im Gegenteil) allerdings ohne erkennbar zu machen, dass es sich eventuell nur um ein Stilmittel handeln soll. Wenn man schon versucht jemanden (der vermutlich ohnehin ein dickes Fell hat) zur Minna zu machen, dann sollte man vielleicht (als gut bezahlter Profi) vermeiden dies ausgerechnet "auf die witzige Art" zu machen, wenn man selbst völlig witzlos ist.

Und während ich dem Gedanken nachhänge warum gute oder schlechte Comedyshows so furchtbar wichtig sein sollen, erscheint mir die Welt doch sehr seltsam.

Fischlein, Fischlein Timpeteh...

Da blättert man, nichts Böses ahnend, durch sein Internet und wird urplötzlich mit der Behauptung konfrontiert, dass die Fischerei ungünstig für die Fische sein soll.

Ja, ich weiß - diese Einleitung trieft vor Ironie, aber solche Meldungen machen mich ausgesprochen zornig. Eine Nachrichtenagentur schickt die "Neuigkeit" über den Äther und selbst namhafte Magazine veröffentlichen diese. Bin ich der Einzige, der seit Jahrzehnten bereits Meldungen und Warnungen verfolgt die die Überfischung der Meere betreffen? Man kann sich heute doch nicht mehr überrascht stellen wenn man mal wieder darauf hingewiesen wird, dass eine unethische und vollkommen idiotische Verhaltensweise der Menschheit sich mittel- oder langfristig zu deren Nachteil auswirkt. Es wurde bereits so oft vor den Folgen dieses Treibens gewarnt, dass manch einer wohl beschlossen haben mag, sich taub zu stellen und das Beste zu hoffen (und da wird Computerspielern Realitätsverlust vorgeworfen).

Überhaupt scheinen erstaunlich viele Menschen zu glauben, dass die Umweltproblematik gelöst sei und die Zukunft ebenso grün wie rosig aussieht (gräßliche Farbkombination). In der Tat scheinen die sog. Interessen der Menschen wieder verstärkt in den Vordergrund gerückt zu sein. Nun ich persönlich bin der Ansicht, dass die Menschheit primär unter sich selbst leidet. Aus diesem Grund hielte ich es für angemessen, wenn man zunächst mal alle Anstrengungen darauf konzentriert, dass die Zukunft noch eine Welt zum drinleben beinhaltet, vorzugsweise eine, die in der Lage ist ihre Bewohner (auch die nichtmenschlichen) zu ernähren.

Ich glaube kaum, dass viele mir wiedersprechen werden wenn ich sage, dass die Menschheit weit jenseits der maximal tragbaren Population angekommen ist. Leider ist aber kaum irgendwo etwas davon zu spüren, dass aktiv gegen die Überbevölkerung vorgegangen wird. Im Gegenteil: Manche Pseudogutmenschen tragen derzeit einen Wettkampf aus wer am meisten gegen Sterblichkeit in weniger entwickelten Gegenden der Welt unternimmt. Keiner davon ist aber bis dato auf das simple Konzept der Geburtenkontrolle gekommen (zumindest nicht soweit ich weiß). Die Erde kann nur eine begrenzte Anzahl an Lebewesen ernähren, was an einer Stelle genommen wird fehlt an anderer Stelle. Die Frage ist: Wollen wir wirklich in einer Welt leben, die nur aus Menschen und deren Nahrung besteht? Denn das ist der Weg den wir derzeit gehen.

Unsere Ozeane sind, fast jeder hat das schon mal gehört, schlechter erforscht als der nahe Weltraum. Dennoch schrecken wir nicht davor zurück sie mit Gewalt zu zerstören ohne auch nur abschätzen zu können welche Konsequnzen dies nach sich ziehen wird. Diese Rücksichtslosigkeit wird Menschenleben kosten. Daran kann es nicht den allerleisesten Zweifel geben. Ärgerlich ist aber, dass jemand der sich für die Umwelt einsetzt nicht als jemand Anerkennung findet, der letzlich der Menschheit einen Dienst erweisen will. In vielen Ländern werden Umweltschützer sogar verachtet (und ich meine angeblich zivilisierte Industrienationen) oder mit Terroristen gleichgesetzt (England zum Beispiel).

Und während Timpeteh, der König der Fische, sein schwindendes Reich beweint, frage ich mich ob die Menschheit wirklich weiß, daß man Geld nicht essen kann. Ist die Welt nicht seltsam?