Ich meine, also bin ich

Beim Blättern im Internet stößt man heute fast zwangsläufig auf die hektisch und verbissen geführte Debatte zwischen etablierten Printmedien und dem sogenannten Web 2.0 oder Mitmachweb.

Auslöser war dieser Artikel von Bernd Graff einem Redakteur der Süddeutschen Zeitung, sowie einem darauf aufsetzenden Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verfasst von Jürgen Kaube.

Ich als frisch gebackener Blogger, der keine Zeitung abonniert hat, komme in dieser Auseinandersetzung aber nicht umhin
a) meinen Senf auch dazuzugeben und
b) mich auf die Seite der Zeitungsprofis zu stellen.

Auch wenn insbesondere der SZ-Artikel durchaus stellenweise polemisch erscheint, so muss doch klar gesagt werden, dass er Qualitätsmerkmale aufweist, die üblichen Diskussionsforen praktisch vollständig abgehen. Es handelt sich um einen nicht anonym verfassten Text in allerbestem Deutsch, klar strukturiert mit Quellenangaben und ordentlicher Abwägung unterschiedlicher Gesichtspunkte. Zugegebenermaßen wird natürlich die Seite der Massenmedien in positiverem Licht dargestellt, aber zumindest werden für diesen Standpunkt nachvollziehbare Argumente angeführt.

Die Kommentare zum Onlineartikel spiegeln im Gegenzug in selbstenthüllender Weise wider wie begründet und angebracht Graffs Kritik tatsächlich ist. Von dummdreisten Kommentaren und primitiven Beschimpfungen bis zu pseudoseriösen Verrissen ist dort alles zu finden (und wird keineswegs zensiert wie stellenweise behauptet). Aber auch die zustimmenden Kommentare sind vorhanden, werden aber , wie man es leider nur allzu gut kennt, totgeschrieen.

Ja man kann im Internet viele interessante Informationen finden, aber leider auch jede Menge an Fehlinformationen. Und leider wird den Schreihälsen, Trollen und Denunzianten viel zu viel Beachtung geschenkt. Die (zumindest scheinbare) Anonymität des Webs veranlasst viele sich aufzuspielen oder interessanter zu machen als angebracht - sprich: zu lügen. Die Möglichkeiten zum Dampfablassen werden weidlich genutzt und machen damit eventuell in der Nähe stehende Nutzinformationen wertlos.

Jeder kennt das Problem, dass beim gezielten Recherchieren nach Problemlösungen für jeden guten Tipp mindestens zwei nutzlose zu finden sind. Und schlimmer noch: Menschen, die tatsächlich Expertenkenntnisse besitzen werden nicht selten von Dummköpfen und Besserwissern überblökt, was Fachleuten die Weitergabe ihrer Informationen verleidet und damit wiederum zur Entwertung der entsprechenden Diskussionsrunden beiträgt.

Selbstverständlich sind auch die Zeitungen keine Unschuldslämmer: Mit ihrer teilweise unglaublich miserablen Beteiligung am Meinungsbildungsprozess, durch manchmal offensichtlich falsche Darstellung angeblicher Tatsachen (z.B. Thema: Computerspiele) oder ihrer einseitigen Darstellung der politischen Landschaft, haben sie erst den Drang zu alternativen Veröffentlichungen befeuert.

Dennoch sehe ich den Sinn der sogenannten Blogosphäre keineswegs darin die herkömmlichen Medien zu ersetzen. Aber als Kontrollgremium für falsche Berichterstattung (dann aber bitte mit entsprechenden Beweisen) oder Plattform zur Äußerung mutmaßlich nicht ausreichend repräsentierter Meinungen kann auch das Web 2.0 auf Dauer einen Platz in dieser seltsamen Welt finden. 

Comments (2) -

  • Tatsächlich sehe ich das Internet seit 2.0 eher dahinsiechen, weswegen ich es ja eigentlich auch gar nicht mehr lese.
    Es sind ja unglücklicherweise immer die Lauten, die Blöden und Aufdringlichen die am meisten auffallen und mir das Internet verleiden. Aber bald ist alles zugemüllt und vollgespamt und dann ist da kein Platz mehr und das Internet ist kaputt und das Geschrei groß. Und dann geht wieder alles von vorne los. Ich freu mich drauf.


  • Leider macht die alteingesessene Journaille ihren Job aber immer mieser. Nur noch wenige Blätter nehmen ihre ureigenste Aufgabe der korrekten, sachlichen und dadurch auch möglichst neutralen Berichterstattung ernst. Vielmehr lassen sie sich vor den Karren von Parteien jeglicher Couleur spannen oder - schlimmer noch - dienen als Sprachrohr von Personen, die genug Geld und Verbindungen haben, ihre Interessen durchzusetzen.
    Da sollte es nicht weiter Wunder nehmen, dass gerade die Leute, die ihre fünf Sinne noch beisammen haben, damit beginnen, nicht nur ihre Informationen aus anderen Quellen zusammenzusuchen, sondern auch gleich ihre Meinung dazu kundzutun.
    Dass online-Leser grundsätzlich ungebildeter, weil jünger, als Zeitungsleser sind, kann ich so nicht gelten lassen. Es gibt sehr viele Zeitungen (nicht nur die berühmte mit dem rot-weißen Logo) und Zeitschriften, die vorwiegend von Älteren gelesen werden, an deren Bildungsgrad vermutlich auch nicht gerade ein Studienrat verloren gegangen ist. Dass diese nicht in den Foren rumblöken, liegt wohl daran, dass sie ihre verbalen Ergüsse eher am Stammtisch von sich geben.
    Und dass in Leserbriefen nicht herumgebrüllt wird, liegt wohl weniger an der Disziplin der Zeitungsleser als vielmehr an der der Redakteure...

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