Ich bin schon auf dem Weg

Wenn man grade mal nicht durch sein Internet blättert, hat man oft Zeit zum Nachdenken, zum Beispiel über einfache Dinge wie Redewendungen.

Der Weg ist das Ziel.

Dieser simple Satz kann in unterschiedlichen Situationen, ganz unterschiedliche Bedeutung erlangen. Primär sehe ich dahinter den Gedanken, ein Ergebnis von vornherein nicht als statisch anzusehen sondern als Prozess.

Ein einfaches Beispiel hierfür ist der Bereich Sicherheit am PC. Hier gibt es die (aus dem englischen stammende) Redewendung "Sicherheit ist eine Reise, kein Ziel" (Security is a journey, not a destination). Hiermit soll einfach klargemacht werden, dass man niemals einen Punkt erreichen kann, an dem man sein System völlig gesichert hat. Irgendwann wird jemand eine neue Sicherheitslücke entdecken, die dann wieder geschlossen wird - ein endloser Kampf.

Andererseits kann man darin natürlich auch eine einfache Durchhalteparole sehen, in etwa "Weitermachen um jeden Preis" oder "das Ziel ist einfach voran zu kommen". Sicher auch eine legitime Ansicht, aber ich fand dies eigentlich immer etwas zu kurzsichtig. In einer Situation in der so etwas gebraucht werden könnte würde ich ein motivierendes "du schaffst das schon" (wir / ich...) für sinnvoller halten.

Ich denke aber, dass einer der wichtigsten Aspekte dieses Ausspruchs darin besteht den eigenen Lebensweg zu verstehen. Während man diesen beschreitet wird man mit Entscheidungen konfrontiert, die, mal mehr mal weniger, die eigene Zukunft beeinflussen. Welche Richtung man an diesen Verzweigungen einschlägt wird zum einen durch Umfeld, Erziehung und vermutlich auch Gene beeinflusst, bestimmt aber auch umgekehrt die eigene Persönlichkeit. Je mehr dieser Entscheidungen man trifft um so stärker manifestiert sich darin das Individuum. Daher halte ich es für essentiell, dass man in der Lage ist den eigenen Weg nachzuvollziehen.

Man sollte sich selbst gegenüber mit schonungsloser Offenheit akzeptieren können, warum man welche Entscheidung getroffen hat, selbst dann wenn einem die Faktoren eventuell so peinlich sind, dass man sie nie einem anderen anvertrauen würde. Denn hier kommt nun ein anderer wichtiger Punkt ins Spiel: Das Erwachsensein. Ich denke, dass man dann erwachsen ist, wenn man sich selbst genauso wie einen anderen Menschen betrachten kann und in der Lage ist sich selbst zu akzeptieren wie man sich eben sieht.

Wenn man dies erreicht hat sollte eigentlich der Weg durchs Leben wesentlich leichter fallen, denn wenn man wenigstens sich selbst richtig erkennt und einschätzen kann, dann bietet der bereits beschrittenen Weg einen sicheren Anhaltspunkt für die Zukunft.

Nightwish - Ghost Love Score (Auszug):

I can't see the path before me,
the one behind will lead me.

Sicher gibt es hierzu noch vieles zu sagen oder schreiben und ich würde mich freuen andere Ansichten hierzu zu hören. Bis dahin hoffe ich, dass dieser kurze, gedankliche Ausflug die Welt ein wenig weniger seltsam erscheinen lässt.

Kommentare (3) -

  • Bei diesem Spruch - "Der Weg ist das Ziel" - habe ich immer vor Augen, wie manche Menschen (ver)reisen: Möglichst schnell möglichst weit weg kommen, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Touristenattraktionen "abhaken" - und dann nach Hause kommen und erst mal die Fotos auf den Laptop laden müssen um zu sehen, wo man eigentlich war...
    Hier war dann der Weg keinesfalls das Ziel, sondern wude so komplett ignoriert, als gebe es ihn gar nicht. Man sollte doch bedenken, dass es IMMER Zeit bedarf, von A nach B zu kommen, egal, wie man das bewerkstelligt. Und da Zeit etwas ist, von dem wir nicht wissen können, wieviel uns das Schicksal davon zugemessen hat, sollte man sie auch sinnvoll nutzen. Auch Wegezeit ist Zeit - kostbare Zeit. Vermutlich verbringen wir alle mehr Zeit damit, irgendwo hinzukommen als irgendwo zu sein. Und sicherlich gibt es sehr viel zu entdecken und zu erleben für den, der die Augen offenhält für all die Begegnungen "auf der Reise". Anders gesagt: Wer keinen Blick hat für die Blumen am Wegesrand, hat im Botanischen Garten nichts verloren!

  • Ganz besonders nicht in deinem speziellen botanischen Garten.
    Wink
    Es ist nach meinem Eindruck so, dass Menschen nach einfachen Lösungen suchen. Das ist natürlich legitim, aber deswegen trotzdem nicht unbedingt optimal.
    Es muss ein Wmittelaltermarktg zu finden sein, der weder zu konservativ noch zu progrssiv ist.
    Das blinde "Irgendwohin" (egal ob auf der Reise in ein Land oder durch das Leben) kann ebensowenig sinnvoll sein, wie das Festklammern an vergänglichem.
    Auch da ist der Weg das Ziel.
  • Ich hab mir das eben nochmal durchgelesen, was du geschrieben hast, fenrir.
    Was du da vom Menschen, vom ERWACHSENEN Menschen forderst, ist die uralte Prämisse des Orakels:"Erkenne dich selbst!"
    Was so einfach klingt, ist uns nur mit Verrenkungen und Spiegeln möglich - echten Spiegeln, aber auch Menschen und deren Meinungen über uns. Es heißt: Die Augen eines Freundes ersetzen den Blick in den Spiegel.
    Ja und nein.
    Ja, weil ein Freund - also ein Mensch, der es wirklich gut mit uns meint - uns sicherlich auch mit unseren Schwächen sieht und uns dennoch oder gerade deshalb akzeptiert.
    Nein, weil auch der Freund nicht alles von uns "sieht" und diese Sicht auf uns und vor allem die Interpretation dessen, was er sieht, von enorm vielen Faktoren abhängt. Nicht zuletzt von seiner eigenen vita und der Ehrlichkeit, mit dem wir ihm gegenübertreten.
    Und genauso können wir uns selbst gegenüber unehrlich sein - weil wir uns zu sehr schämen für manche Entscheidungen. Dies ist zwar genau das, was du forderst, ist aber auch das am schwersten zu bewältigende Stück des Weges.
    Und nicht zuletzt deshalb, weil die eigene Erinnerung oft genug ein hundserbärmlicher Lügner und Betrüger ist.
    Grundsätzlich stimme ich dir aber zu, dass es eines der elementarsten Kennzeichen des Erwachsenseins ist, zu wissen, woher, wohin und warum. Und dass es wirklich ein - vielleicht das wichtigste - Ziel überhaupt sein sollte, auf diese Art erwachsen zu sein. Auch weil man dadurch den Freiden mit sich selbst machen könnte. Dann wäre man allerdings "angekommen" und die Reise zuende...

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