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Fenrirs blog

Wo brennts?

Viele Menschen, mich eingeschlossen, sehen den Kapitalismus bzw. das kapitalistische System (auch Neoliberalismus etc.) als eines der Kernprobleme der aktuellen Lage an. So haben die Maßnahmen zur Erzielung von Erträgen in unterschiedlichen Bereichen zu Einsparungen geführt, die uns heute vor Probleme stellen.

Viele Bereiche des Lebens wurden einem Zwang zu wirtschaftlichem Handeln unterworfen, obwohl sie eigentlich als soziale und kulturelle Güter im allgemeinen Interesse gemeinschafltich finanziert sein sollten. Dies betrifft Bildungseinrichtungen, ebenso wie kulturelle Angebote und natürlich auch den Bereich der medizinischen Versorgung. Letzgenannte Bereiche sind ja bereits in den Fokus geraten, auch wenn aktuell noch keinerlei Konsequenzen gezogen wurden.

Ein Punkt der mir derzeit durch den Kopf geht, ist die Erkenntnis, dass Kapitalismus nur auf der Basis von Sklavenarbeit funktioniert. Sklave meint in diesem Fall weniger das klassische Bild vom Leibeigenen der am Hof seines Meisters unentgeltlich arbeiten muss, sondern eher ein moderneres Konzept von Sklaverei. Irgendwo muss irgendwer Arbeit verrichten, die er/sie eigentlich nicht schätzt, um einen Verdienst zu erwirtschaften, der kaum oder gar nicht ausreicht um das Überleben zu sichern. Der Arbeiter ist an die Arbeit gekettet um nicht zu sterben, in sofern ist die Abhängigkeit gegenüber dem Besitzenden verankert. Als kleiner Nebengedanke: Klassische Sklaven mussten von ihren Eigentümern mit Nahrung, Unterkunft und medizinischer Betreuung versorgt werden, moderne Sklaven müssen dies auch noch selbst organisieren plus die teilweise anhängige Bürokratie hierzu.

Im Innland kennen wir Sklaven unter den Begriffen 1€-Jobber, Aufstocker und teilweise Praktikant oder Probearbeiter. Aber auch Begriffe wie Niedriglohnländer bezeichnen letztlich nichts anderes als Quellen für Sklavenarbeit. Bekannt und immer wieder thematisiert, aber niemals ernsthaft bekämpft sind die Auslagerung der Kleidungsproduktion nach Bangladesch, sowie die Herstellung von Medikamenten in Indien und China.

Von besonderem Interesse könnte dies werden, weil speziell Indien Anzeichen zeigt zum Katastrophengebiet zu werden. Der Gesundheitszustand eines Großteils der Bevölkerung ist unter anderem durch Verseuchung der Umwelt und mäßige medizinische Versorgung, selbst in guten Zeiten besorgniserregend. Nun hat die Regierung unter Ministerpräsident Modi zusätzlich einige überhastete Maßnahmen zur Verringerung der Infektionsrate beschlossen, die möglicherweise die Ausbreitung der Seuche erst recht vorantreiben werden. Es besteht die realistische Möglichkeit, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung in Folge zu Tode kommen wird. In Bangladesch können nicht mal realistische social distancing Maßnahmen ergriffen werden, wodurch hier ähnliches droht.

Wenn nun also für einige Bereiche die Produktion unserer gewohnten Gebrauchsgüter zu Niedrigpreisen wegfällt und im Inland keine Kapazität für Ersatz vorhanden ist, oder selbiger deutlich höher bepreist sein muss, dann droht eine Steigerung der Lebenskosten, bei gleichzeitigem Verlust von Komfort.

Das wäre bei Kleidung eventuell noch zu verkraften, aber wie sieht es bei Medizin aus? Wie wird das kapitalistische System den Wegfall der Sklaven kompensieren?

Zusätzlich befinden wir uns im Fühjahr, das ist bei uns Menschen typischerweise Paarungszeit. Man mag darüber lächeln, aber der Geschlechtstrieb ist keine Illusion und, wie der Name schon sagt, ein Trieb. Man kann diesen zwar unterdrücken, aber nicht unbegrenzt und nicht jeder in gleichem Maße. Der Trieb ist vorhanden und erhöht den Stress der in ungewohnter Situation gefangenen Bürger zusätzlich. Es wird nicht gleich eine Revolution ausbrechen (leider?), aber es ist damit zu rechnen, dass es über kurz oder lang zu Gewaltausbrüchen kommen wird.

Vermutlich werden die ersten Leidtragenden Polizisten sein, die zwar nicht unbedingt verantwortlich, aber als Repräsentanten der Staatsmacht zwangsweise vor Ort sind. Die Presse wird sich empören, weil sich das so herrlich gut verkauft, andere werden auf ihre Chance lauern, die eigene Wut auszutoben.

Das mag nach Schwarzmalerei aussehen, aber ich tue mir schwer eine Bevölkerung zu sehen, die sich über 2 Jahre hinweg, duldsam in ihr Schicksal fügt, nur um danach immer noch vor dem weiterhin ungelösten Problem der Klimakatastrophe zu stehen.

Quo usque tandem

Fangen wir mal bei der oberflächlich betrachtet einfachsten Frage an:
Wie lange noch?
Stand heute haben wir in Deutschland ziemlich genau 100.000 registrierte Infektionen. Zuwachs liegt derzeit bei etwa 5000 pro Tag. Die sogenannte Herdenimmunität erreichen wir bei 65.000.000 Infizierten (genaugenommen sind damit vermutlich 65 Mio. Überlebende gemeint, aber wie wir gleich sehen werden spielt das für die Betrachtung kaum eine Rolle).
Wir benötigen also noch 64.900.000 zusätzliche Fälle, macht beim derzeitigen Anstieg 12.980 Tage oder rund 35 einhalb Jahre. Wenn man nun auf diesen langen Zeitraum den normalen Bevölkerungswandel durch Geburten und Todesfälle, sowie Zu- und Wegzug berücksichtigt, erreichen wir den Punkt niemals.
Ich vermute, dass über diesen Zeitraum hinweg möglicherweise nicht alle Präventivmaßnahmen aufrecht erhalten werden können.
Modifizieren wir das Szenario ein wenig (sprich: wir rechnen uns die Sache schön). Es ist zu erwarten, dass der tägliche Zuwachs im weiteren Verlauf deutlich anwächst. Nun können wir die Höchstzahl an Patienten berechnen, die hinzukommen dürfen ohne die vorhandenen medizinischen Einrichtungen zu überlasten.
Nach aktuellem Kenntnisstand müssen 5% der Infizierten letztlich beatmet werden, selbiges über einen Zeitraum von ca. 5 Tagen. Es waren im Februar ca. 20.000 Respiratoren in Deutschland verfügbar (es gibt mehrere Angaben, aber wenn man Wartungsbedarf und örtliche Verteilung brücksichtigt dürfte die Zahl als Rechengrundlage angemessen sein), weitere 10.000 wurden auf Regierungsanweisung geordert. In Anbetracht der Nutzungsdauer und weiteren Entwicklung nehme ich einfach optimistisch 27.500 als gegeben an. 27,5k x 20 (jeder zwanzigste) = 550.000. Somit dürfen alle 5 Tage 550k Infektionen hinzukommen oder 110.000 am Tag.
Setzen wir diese Zahl nun in obige Rechnung ein ergibt sich eine Dauer von knapp 20 Monaten, wenn man berücksichtigt, dass der Anstieg sich noch eine Zeit erhöhen muss um auf die 110.000/Tag zu kommen, dürften über 2 Jahre realistischer sein.
Nun fangen Menschen bereits nach 2 Wochen an deutliche Stresssymptome zu zeigen, es ist kaum wahrscheinlich, dass 2 Jahre Restriktionen der jetztigen Form in der Breite akzeptiert werden.
Damit kämen wir zum Punkt: Wie werden wir damit umgehen? Aber das ist ein Thema für einen neuen Post.

Kurz und hart

Es mag das aktuellere Thema sein und es entwickelt sich zweifellos dynamischer, aber COVID-19 ist ein Scheißdreck verglichen mit der Klimakatastrophe. Ich bin schreibfaul geworden, aber ich werde in zukünftigen Artikeln versuchen das aus meiner Sicht zu sezieren.

Wenn man den Verdacht hat es stimmt was nicht

 Regel 1: Hör auf dich selbst zu belügen und schau dir dein Leben an. Vergleich es mit deinen Wünschen von früher.

 Regel 2: Suche und finde den Arsch in deiner Hose.

 Regel 3: Hör verdammt nochmal auf dich selber zu belügen.

 Regel 4: Denk nochmal über Regel 1 - 3 nach.

 Regel 5: Denken is ne gute Sache, hör nicht auf damit.

 Regel 6: Es gibt IMMER einen anderen Weg, auch wenn er vielleicht grad nicht offensichtlich ist.

 Regel 7: Nur weil es sich so ANFÜHLT als würdest du was verlieren wenn du tust was getan werden muss, heißt das noch lange nicht, dass es so sein wird.

 Regel 8: Du bist auch etwas wert, wenn du dazu stehst dich in jemandem getäuscht zu haben.

 Regel 9: Man kann nicht alles/jeden retten.

Regel 10: Schuldgefühle helfen niemandem, besonders dir nicht.

Ich bin schon auf dem Weg

Wenn man grade mal nicht durch sein Internet blättert, hat man oft Zeit zum Nachdenken, zum Beispiel über einfache Dinge wie Redewendungen.

Der Weg ist das Ziel.

Dieser simple Satz kann in unterschiedlichen Situationen, ganz unterschiedliche Bedeutung erlangen. Primär sehe ich dahinter den Gedanken, ein Ergebnis von vornherein nicht als statisch anzusehen sondern als Prozess.

Ein einfaches Beispiel hierfür ist der Bereich Sicherheit am PC. Hier gibt es die (aus dem englischen stammende) Redewendung "Sicherheit ist eine Reise, kein Ziel" (Security is a journey, not a destination). Hiermit soll einfach klargemacht werden, dass man niemals einen Punkt erreichen kann, an dem man sein System völlig gesichert hat. Irgendwann wird jemand eine neue Sicherheitslücke entdecken, die dann wieder geschlossen wird - ein endloser Kampf.

Andererseits kann man darin natürlich auch eine einfache Durchhalteparole sehen, in etwa "Weitermachen um jeden Preis" oder "das Ziel ist einfach voran zu kommen". Sicher auch eine legitime Ansicht, aber ich fand dies eigentlich immer etwas zu kurzsichtig. In einer Situation in der so etwas gebraucht werden könnte würde ich ein motivierendes "du schaffst das schon" (wir / ich...) für sinnvoller halten.

Ich denke aber, dass einer der wichtigsten Aspekte dieses Ausspruchs darin besteht den eigenen Lebensweg zu verstehen. Während man diesen beschreitet wird man mit Entscheidungen konfrontiert, die, mal mehr mal weniger, die eigene Zukunft beeinflussen. Welche Richtung man an diesen Verzweigungen einschlägt wird zum einen durch Umfeld, Erziehung und vermutlich auch Gene beeinflusst, bestimmt aber auch umgekehrt die eigene Persönlichkeit. Je mehr dieser Entscheidungen man trifft um so stärker manifestiert sich darin das Individuum. Daher halte ich es für essentiell, dass man in der Lage ist den eigenen Weg nachzuvollziehen.

Man sollte sich selbst gegenüber mit schonungsloser Offenheit akzeptieren können, warum man welche Entscheidung getroffen hat, selbst dann wenn einem die Faktoren eventuell so peinlich sind, dass man sie nie einem anderen anvertrauen würde. Denn hier kommt nun ein anderer wichtiger Punkt ins Spiel: Das Erwachsensein. Ich denke, dass man dann erwachsen ist, wenn man sich selbst genauso wie einen anderen Menschen betrachten kann und in der Lage ist sich selbst zu akzeptieren wie man sich eben sieht.

Wenn man dies erreicht hat sollte eigentlich der Weg durchs Leben wesentlich leichter fallen, denn wenn man wenigstens sich selbst richtig erkennt und einschätzen kann, dann bietet der bereits beschrittenen Weg einen sicheren Anhaltspunkt für die Zukunft.

Nightwish - Ghost Love Score (Auszug):

I can't see the path before me,
the one behind will lead me.

Sicher gibt es hierzu noch vieles zu sagen oder schreiben und ich würde mich freuen andere Ansichten hierzu zu hören. Bis dahin hoffe ich, dass dieser kurze, gedankliche Ausflug die Welt ein wenig weniger seltsam erscheinen lässt.

Gedankentreiben

Ich habe mein Internet mal zugeklappt und säuberlich gefaltet neben mir liegen. Und während ich da so sitze komme ich ins grübeln.

Manchmal sind es ganz einfache Gedanken oder auch Worte, die einen lange beschäftigen. Etwas, das man irgendwo gelesen hat, das irgendwer gesagt hat oder auch nur ein geflügeltes Wort - irgendein Anlass durch den man veranlasst wird sich mit einem bestimmten Gedanken mehr als nur oberflächlich zu befassen. Man sieht in einem einfachen Gedanken plötzlich ein komplexes Gebilde. Dabei spielt es eigentlich gar keine Rolle ob man übertreibt, sich in etwas hineinsteigert, etwas nur sehen will oder ob wirklich viel mehr dahintersteckt als zunächst angenommen. Wichtig ist: Man lässt sein Denken um ein Thema kreisen und versucht auf diese Weise herauszufinden, wie eine Idee mit anderen verknüpft ist.

Ich vermute mal, dass jeder diesen Vorgang schon das ein oder andere Mal durchlaufen hat und erstaunt erlebt hat wie sich ein Grundkonzept plötzlich in alle möglichen zunächst gar nicht vorstellbaren Richtungen entwickelt hat. In den 80ern war eine Variante dieses Konzepts mal als "Brainstorming" bekannt. Man versuchte Kreativität zu fördern indem man frei assoziierte. Ich schreibe hier aber eher über eine Art geistigen Bildschirmschoner. Das was der eigene Verstand so macht wenn sonst nix für ihn zu tun ist.

Von besonderem Interesse sind hier zwei Aspekte: der Weg den die Gedanken von einer bestimmten Idee ausgehend nehmen und Zusammenhänge, die man nicht erwartet hätte.

Wichtig erscheint mir hierbei, dass man Gedanken(spazier)gänge nicht blockiert indem man sich selbst geistige Sperren auferlegt. Ein wiederkehrendes Motto in diesem Zusammenhang ist "Die am schwersten zu überwindenden Grenzen sind in den Köpfen!" (auch ein Gedanke, den man auf vieles anwenden kann).

Es ist ungeheuer spannend mitzuerleben wie sich die eigenen Gedanken bewegen -  manchmal ganz wie von selbst, manchmal scheinbar gar nicht, dann wieder sprunghaft. Häufig vergisst man auch wieder etwas und erinnert sich nur noch daran, dass man da eigentlich einen wirklich interessanten Weg gegangen ist. Wenn man aber nicht krampfhaft versucht wieder dorthin zurückzufinden und den Geist einfach treiben lässt werden sich immer wieder neue spannende Assoziationen ergeben.

Ich habe mittlerweile einige Benutzerkonten eingerichtet und vielen davon auch Editor-Rechte eingeräumt. Wer immer dies liest und gerne von einem Spaziergang im eigenen Kopf erzählen möchte, der sei herzlich eingeladen dies zu tun. Wer noch keine Schreibrechte hat, dem richte ich gerne ein Konto ein, auf Wunsch auch mit anonymer Email-Adresse.

Manches in unserer seltsamen Welt lässt sich nur mit seltsamen Gedankengängen richtig erfassen.