digitale Kluft am praktischen Beispiel

Eigentlich bin ich kein Freund von Schubladenbeschriftungen wie "digitale Kluft", aber an einem Tag wie heute kommt man nicht umhin in genau solchen Kategorien zu denken.

Fast jede deutsche IT-Seite befasst sich noch immer mit dem frisch aufgedeckten Bundestrojaner (heise, golem, usw.), fast jeder webaffine Blogger hat das Thema ganz oben (fefe, lobo, usw.) aber die mutmaßlich klassischen Magazine (stern, spiegel, usw.) haben nichts oder fast nichts mehr auf den Hauptseiten.

Ist es tatsächlich so, dass ein solches Thema für die Allgemeinheit zu kompliziert sein sollte? Oder haben die Verschwörungstheoretiker recht, dass der Vorfall vertuscht werden soll?

Da geht es um freiheitliche Grundrechte und unsere Journalie verpennt das Thema, regt sich aber immer wieder drüber auf, dass ihr die Amateur-Blogger die Kundschaft abnehmen. es mag ja Zeichen eines Wandels sein, dass ein nicht mehr neues Medium mehr an Bedeutung gewinnt, aber das zugrunde liegende Thema ist ein altes.

Jeder Landwirt weiß, dass er mehr fruchtbaren Boden durch Erosion als durch Erdrutsche verliert und muss sich daher unentwegt darum kümmern dem Entgegenzuwirken. Freiheit und Bürgerrechte werden ebenso nicht plötzlich sondern langsam aber stetig abgetragen wenn man nicht ununterbrochen etwas dagegen tut. Der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit. So abgedroschen sich das anhören mag, so wahr ist es leider auch.

Da darf es keine Rolle spielen an welcher Stelle die Erosion ansetzt, denn irgendwann geht es immer um ein Stückchen das einem wichtig ist, das man aber nicht mehr verteidigen kann, weil rundum schon alles weggebrochen ist.

Das Internet ist nicht nur ein Spielplatz für kleine und große Kinder und nicht nur ein Ghetto der Urheberrechtsverletzer und Cyberkriminellen. Es ist ein Medium, das erhebliche Möglichkeiten bietet und einer zunehmenden Anzahl Menschen wichtig genug ist um dafür zu kämpfen. Dies einfach zu unterschlagen wäre schlicht dumm.

Comments (3) -

  • Zitat:"Dies einfach zu unterschlagen wäre schlicht dumm."

    Ist es das?
    Oder ist es nicht vielmehr Berechnung?

    Zitat:"Das Internet ist nicht nur ein Spielplatz für kleine und große Kinder und nicht nur ein Ghetto der Urheberrechtsverletzer und Cyberkriminellen. "

    Wenn man sich ansieht, was in den gewöhnlichen Printmedien (also Frauenzeitschriften, Tageszeitungen etc.) sowie in den meisten Sendern über die Inhalte, Möglichkeiten und Gefahren des Internets berichtet wird, kann man genau diesen Eindruck bekommen.
    Überall im www lauern Schund, Betrug, Kriminalität und Gefahren für Gesundheit, Moral, Familienleben, Geldbeutel und PC. Und man kann sich zwar schützen, aber se iwil is alweis änd ewriwehr und am Besten man bliebe komplett weg von diesem Teufelskasten. Weil das aber leider nicht wirklich machbar ist, muss der Gesetzgeber mit aller Härte gegen Cyberkriminelle (allein schon dieses Wort verdient eine Nominierung zum Unwort des Jahres!) vorgehen.
    Wer sich auskennt mit dieser suspekten Technologie, steht schon allein deshalb unter Generalverdacht, weil er ja KÖNNTE, was uns Normalverbrauchern zu schaden geeignet ist. Informationen aller Art - ob Wissen, Halbwissen oder gefährlicher Unsinn - verbreiten sich zudem im Internet viel schneller als auf allen bisher bekannten Wegen in der Welt und den Köpfen der Menschen. Und welcher normale Mensch vermag schon Sinn von Unsinn zu unterscheiden?
    Natürlich: Im Beruf mancher Menschen, wie Journalisten, Wissenschaftler, Kaufleute und ja, auch Politiker ist der PC und auch das Internet ein wertvolles Hilfsmittel. Aber im Leben normaler Menschen? Früher schrieb man sich Briefe oder besuchte sich. Man kaufte seine Ware im Geschäft und bezahlte bar. Und wenn man krank war, fragte man seinen Arzt oder Apotheker. Und man verdaddelte vor allem wertvolle Arbeitszeit nicht auf Kosten des Chefs mit Browserspielen, chats oder dem Schreiben privater e-mails! Schon gar nicht wurde die Kompetenz von Autoritäten angezweifelt! Wenn der Chef, der Vermieter oder der Arzt etwas sagte, dann wurde das gemacht. Die wissen schließlich, was sie tun! Da muss man nicht noch extra googeln, welche Rechte einem zustehen!

    Ja, es hat sich nicht wirklich etwas geändert, seit Johann Gensfleisch vor 600 Jahren den Buchdruck erfand und somit erstmals in der Geschichte Europas die Möglichkeit gegeben war, Informationen rasch und vollständig zu verbreiten. Auch damals war das Geschrei seitens der Obrigkeit groß. Der Bauer solle doch lieber arbeiten, statt zu lesen und ob denn jetzt alle Doctores werden sollen, wenn sie ihr Wissen aus Büchern bekommen können! Gar mit dem Höllenfeuer drohte man jenen, die das Lesen und Schreiben nicht lassen wollten. Jedoch ließ sich die Entwicklung nicht mehr aufhalten. Die Macht der Presse wurde bald erkannt (und natürlich auch missbraucht!), die Zensur war zeitweise das wirksamste politische Machtinstrument im preußischen Staat.

    Nichts anderes geschieht gerade wieder: Man ängstigt die Menschen so mit den Gefahren des neuen Mediums, dass sich die wenigsten damit auseinandersetzen wollen. Ihren Schutz überlassen sie wie immer der Obrigkeit. Und natürlich erfreut sich jede Maßnahme einer gewissen Popularität, die Schutz vor den bösen Cyberkriminellen verspricht. Dass diese Maßnahmen im Allgemeinen wenig zu diesem Zweck geeignet sind, dafür jedoch hervorragend dazu, stückchenweise verbriefte Grundrechte auszuhöhlen und den Weg zu bereiten für ganz andere Änderungen der freiheitlichen Grundordnung, die gar nichts mehr mit dem Internet zu tun haben, bekommt die große Masse der Wahlberechtigten leider allenfalls am Rande mit.
    Sonst würde dieses Thema jetzt nicht fenrirs blog bereichern, sondern als entsprechend große Diskussionsrunde zur besten Sendezeit im ARD laufen - oder noch beser: Auf RTL II!
  • Ich glaube es ja kaum - es wird wieder gebloggt. Sehr schön! Smile

    Das Thema Bundestrojaner wird im Moment durch jede Zeitung gezogen. Sehr nett war auch der Abdruck des Codes auf Papier. Für viele hat das wohl wie eine mystische Sprache ausgesehen.

    Mal schauen wer den schwarzen Peter in die Hand bekommt und seinen Platz räumen wird.
  • Eigentlich finde ich, dass das Thema viel zu schnell wieder aus den Medien verschwunden ist - jedenfalls aus denen, die wohl 90% aller Leute regelmäßig konsumieren. Nicht, dass Boulevardpresse und bildungsfernes Sehen (oder heißt es Bildungsfernsehen?) keine Artikel über digitale Medien bringen. Über die Abzocke bei Partnervermittlungen wird genauso berichtet, wie über junge Dinger, die beim ersten date mit ihrem Internetflirt verschwinden.  Durchaus reale Gefahren - warum warnt man nicht genauso selbstverständlich vor den gefahren, die durch einen übereifrigen aber technisch völlig unbeleckten Vater Staat ausgehen?
    Sagte ich schon, dass Zensur im preußischen Staat zeitweise das stärkste Machtinstrument war?

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