Zukunft haben oder sein

Schon seit einiger Zeit machen wir uns nun schon Gedanken darüber, wie man anständig leben kann.
Und in diesem Zusammenhang ist mit "anständig" nicht gemeint, dass man möglichst viel bekommt. Sondern dass wir uns überlegen, wie wir die negativen Auswirkungen unserer existenz so gering wie möglich halten können.
Dazu gehört der Verzicht auf überflüssiges Plastik als Verpackungsmaterial genauso wie der verzicht auf Überflüssiges an sich, der verzicht auf Produkte von geschundenen Tieren...Verzicht, Verzicht, Verzicht.
Ist Verzicht gleich Entbehrung?

Obwohl ich es mit Kirche oder gar Katholizismus so gar nicht habe, fallen mir zum Thema “Verzicht” einige Gedanken des Abtprimus Notker Wolf ein. Dieser so gar nicht weltfremde Mönch schreibt sinngemäß, dass Verzicht eine Form von Freiheit sei. Die Freiheit, selbst zu entscheiden, was man haben möchte und was eben nicht. Ich bin mir bewusst, dass manche Menschen diese Freiheit nicht haben: Die, die ohnehin schon Mühe haben, sich auch nur das Nötigste zu beschaffen. Vielmehr ist die Verantwortung gemeint, die wir gegenüber uns selbst, der Natur und den Mitmenschen haben. Wieviel bleibt für andere übrig, wenn ich mir alles nehme (oder zumindest alles, was ich kriegen kann)? Wen zwinge ich zum Verzicht, wenn ich alles möglichst billig will, weil ich dann genug Geld übrig habe, um mir noch mehr zu kaufen? Macht mich Konsum wirklich glücklich oder stiehlt er mir nicht vielmehr Zeit, die ich für anderes dann nicht mehr übrig habe?

Immer mehr komme ich zu dem Glauben, dass nicht Plastik der Übeltäter ist, sondern vielmehr unsere Gier. Eine Plastikschüssel ist billiger als eine aus Glas oder Edelstahl – also kaufe ich da gleich zwei (oder drei…). Ich muss da auch nicht so drauf aufpassen, sondern kaufe mir einfach eine neue, wenn sie unansehnlich ist. Diese Gier, diese Instant-Mentalität (alles gleich, alles sofort, alles jederzeit und wenn es nicht so funktioniert wie erwartet: Weg damit!) hat leider nicht nur unser Konsumverhalten, sondern auch unseren Geist infiziert. Wir konsumieren nicht nur Essen, Kleidung, Haushaltsartikel, sondern auch Musik, Dienstleistungen, geistige Werte und die Beziehungen zu anderen Menschen.
Das lateinische Wort “consumare” heißt soviel wie “aufzehren” und legt die Annahme nahe, dass danach eigentlich nichts mehr vom Konsumierten übrig bleibt.
Bei unserem heutigen Konsum bleibt allerdings jede Menge übrig: Müll, der uns krank machen kann, Essen, das andere vorm Verhungern retten könnte und ihnen doch nicht zuteil wird, ausgebeutete Landschaften, überfischte Meere und geschundene Kreaturen, die wir buchstäblich bis zum letzten Tropfen ausgemolken haben und auf die zum Dank für ihre Mühen nur noch eine “Karriere” in der Katzenfutterdose wartet. Nicht zu vergessen die vielen zerstörten Seelen der Menschen, die wir ebenfalls konsumiert haben – als Arbeitnehmer, gutmütige Freunde, abgelegte “Lebensabschnittspartner” etc.

Ich denke, was wir wirklich brauchen, ist nicht die Suche nach einem Sündenbock (ob der nun Plastik, Massentierhaltung, Globalisierung oder Politik heißt), sondern eine neue Ethik der Nachhaltigkeit. Dazu muss man nicht einmal einen Gott oder das Karma bemühen. Jede Spezies hat grundsätzlich zwei Bestrebungen: Das Überleben als Individuum und das Überleben als Spezies. Wenn wir anderen Individuen, anderen Spezies die Lebensgrundlage entziehen, sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen. Denken wir an den alten Spruch:”Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen”.

Ich bin schon auf dem Weg

Wenn man grade mal nicht durch sein Internet blättert, hat man oft Zeit zum Nachdenken, zum Beispiel über einfache Dinge wie Redewendungen.

Der Weg ist das Ziel.

Dieser simple Satz kann in unterschiedlichen Situationen, ganz unterschiedliche Bedeutung erlangen. Primär sehe ich dahinter den Gedanken, ein Ergebnis von vornherein nicht als statisch anzusehen sondern als Prozess.

Ein einfaches Beispiel hierfür ist der Bereich Sicherheit am PC. Hier gibt es die (aus dem englischen stammende) Redewendung "Sicherheit ist eine Reise, kein Ziel" (Security is a journey, not a destination). Hiermit soll einfach klargemacht werden, dass man niemals einen Punkt erreichen kann, an dem man sein System völlig gesichert hat. Irgendwann wird jemand eine neue Sicherheitslücke entdecken, die dann wieder geschlossen wird - ein endloser Kampf.

Andererseits kann man darin natürlich auch eine einfache Durchhalteparole sehen, in etwa "Weitermachen um jeden Preis" oder "das Ziel ist einfach voran zu kommen". Sicher auch eine legitime Ansicht, aber ich fand dies eigentlich immer etwas zu kurzsichtig. In einer Situation in der so etwas gebraucht werden könnte würde ich ein motivierendes "du schaffst das schon" (wir / ich...) für sinnvoller halten.

Ich denke aber, dass einer der wichtigsten Aspekte dieses Ausspruchs darin besteht den eigenen Lebensweg zu verstehen. Während man diesen beschreitet wird man mit Entscheidungen konfrontiert, die, mal mehr mal weniger, die eigene Zukunft beeinflussen. Welche Richtung man an diesen Verzweigungen einschlägt wird zum einen durch Umfeld, Erziehung und vermutlich auch Gene beeinflusst, bestimmt aber auch umgekehrt die eigene Persönlichkeit. Je mehr dieser Entscheidungen man trifft um so stärker manifestiert sich darin das Individuum. Daher halte ich es für essentiell, dass man in der Lage ist den eigenen Weg nachzuvollziehen.

Man sollte sich selbst gegenüber mit schonungsloser Offenheit akzeptieren können, warum man welche Entscheidung getroffen hat, selbst dann wenn einem die Faktoren eventuell so peinlich sind, dass man sie nie einem anderen anvertrauen würde. Denn hier kommt nun ein anderer wichtiger Punkt ins Spiel: Das Erwachsensein. Ich denke, dass man dann erwachsen ist, wenn man sich selbst genauso wie einen anderen Menschen betrachten kann und in der Lage ist sich selbst zu akzeptieren wie man sich eben sieht.

Wenn man dies erreicht hat sollte eigentlich der Weg durchs Leben wesentlich leichter fallen, denn wenn man wenigstens sich selbst richtig erkennt und einschätzen kann, dann bietet der bereits beschrittenen Weg einen sicheren Anhaltspunkt für die Zukunft.

Nightwish - Ghost Love Score (Auszug):

I can't see the path before me,
the one behind will lead me.

Sicher gibt es hierzu noch vieles zu sagen oder schreiben und ich würde mich freuen andere Ansichten hierzu zu hören. Bis dahin hoffe ich, dass dieser kurze, gedankliche Ausflug die Welt ein wenig weniger seltsam erscheinen lässt.

Gedankentreiben

Ich habe mein Internet mal zugeklappt und säuberlich gefaltet neben mir liegen. Und während ich da so sitze komme ich ins grübeln.

Manchmal sind es ganz einfache Gedanken oder auch Worte, die einen lange beschäftigen. Etwas, das man irgendwo gelesen hat, das irgendwer gesagt hat oder auch nur ein geflügeltes Wort - irgendein Anlass durch den man veranlasst wird sich mit einem bestimmten Gedanken mehr als nur oberflächlich zu befassen. Man sieht in einem einfachen Gedanken plötzlich ein komplexes Gebilde. Dabei spielt es eigentlich gar keine Rolle ob man übertreibt, sich in etwas hineinsteigert, etwas nur sehen will oder ob wirklich viel mehr dahintersteckt als zunächst angenommen. Wichtig ist: Man lässt sein Denken um ein Thema kreisen und versucht auf diese Weise herauszufinden, wie eine Idee mit anderen verknüpft ist.

Ich vermute mal, dass jeder diesen Vorgang schon das ein oder andere Mal durchlaufen hat und erstaunt erlebt hat wie sich ein Grundkonzept plötzlich in alle möglichen zunächst gar nicht vorstellbaren Richtungen entwickelt hat. In den 80ern war eine Variante dieses Konzepts mal als "Brainstorming" bekannt. Man versuchte Kreativität zu fördern indem man frei assoziierte. Ich schreibe hier aber eher über eine Art geistigen Bildschirmschoner. Das was der eigene Verstand so macht wenn sonst nix für ihn zu tun ist.

Von besonderem Interesse sind hier zwei Aspekte: der Weg den die Gedanken von einer bestimmten Idee ausgehend nehmen und Zusammenhänge, die man nicht erwartet hätte.

Wichtig erscheint mir hierbei, dass man Gedanken(spazier)gänge nicht blockiert indem man sich selbst geistige Sperren auferlegt. Ein wiederkehrendes Motto in diesem Zusammenhang ist "Die am schwersten zu überwindenden Grenzen sind in den Köpfen!" (auch ein Gedanke, den man auf vieles anwenden kann).

Es ist ungeheuer spannend mitzuerleben wie sich die eigenen Gedanken bewegen -  manchmal ganz wie von selbst, manchmal scheinbar gar nicht, dann wieder sprunghaft. Häufig vergisst man auch wieder etwas und erinnert sich nur noch daran, dass man da eigentlich einen wirklich interessanten Weg gegangen ist. Wenn man aber nicht krampfhaft versucht wieder dorthin zurückzufinden und den Geist einfach treiben lässt werden sich immer wieder neue spannende Assoziationen ergeben.

Ich habe mittlerweile einige Benutzerkonten eingerichtet und vielen davon auch Editor-Rechte eingeräumt. Wer immer dies liest und gerne von einem Spaziergang im eigenen Kopf erzählen möchte, der sei herzlich eingeladen dies zu tun. Wer noch keine Schreibrechte hat, dem richte ich gerne ein Konto ein, auf Wunsch auch mit anonymer Email-Adresse.

Manches in unserer seltsamen Welt lässt sich nur mit seltsamen Gedankengängen richtig erfassen.