Warum fragen die mich, frag ich mich

Während ich so gemütlich durch mein Internet blätterte, klingelte heute morgen mein Telefon. Eine junge Dame interessierte sich allem Anschein nach für meine Meinung.

Da ich ja auch nicht davor zurückschrecke selbige auf diesen Seiten öffentlich zu machen, war ich natürlich nicht abgeneigt ihr Auskunft zu erteilen. Ich gönne ja jedem Studenten die paar Euro, die er oder sie damit nebenher verdienen kann.

Dennoch fällt es mir schwer zu begreifen welchen Sinn diese Umfragen haben sollen. Wenn man mal davon absieht, dass (vermutlich) eine Menge Leute ihre Beteiligung an einer solchen Befragung verweigern, kann doch ohnehin niemals sichergestellt werden, dass diejenigen, die Rede und Antwort stehen in der Tat die Wahrheit sagen.

Ich hatte vor längerer Zeit mal ein Gespräch mit einem Mann, der mir erklärte, dass er mit größter Begeisterung immer wieder vollkommen falsche Aussagen zu seinen politischen Ansichten oder seinen Konsumplanungen zu Protokoll gebe. Er begründete dies damit, dass er darin den einzigen Weg sehe, um längerfristig den Meinungsumfragen den Garaus zu machen. Nur wenn die Umfrageergebnisse sich bei späterer Prüfung deutlich von den Erfahrungswerten unterschieden, bestünde die Chance, dass seitens der Auftraggeber deren Nutzen in Zweifel gezogen würde.

Nun könnte man dieses Vorgehen durchaus als Sabotage werten, andererseits ist es aber auch ein absolut vertretbarer persönlicher Standpunkt zu sagen: "Ich hasse Meinungsumfragen und möchte, dass sie verschwinden.". Das ironische hierbei ist folgendes: Die sogenannten Meinungsumfragen werden ihrem Namen nur sehr selten gerecht. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich nur um Befragungen zur Kaufplanung und zur Zufriedenheit (die meines Erachtens durch eine solche Befragung im Nachhinein erheblich sinkt), und keineswegs um die Frage nach einer echten und eventuell fundierten Meinung. Wenn man aber durch das Unterwandern der Befragung, selbige entwertet hat man eigentlich tatsächlich eine Meinung kundgetan und diese auch noch unter Beweis gestellt.

Ist es nicht seltsam, dass man jemanden zwingen kann etwas zu bekommen, was er nur behauptet zu wollen, aber eigentlich gar nicht will? 

Kommentare (3) -

  • Zitat fenrir: "Ist es nicht seltsam, dass man jemanden zwingen kann etwas zu bekommen, was er nur behauptet zu wollen, aber eigentlich gar nicht will?"

    Doch. Ist es.
    Noch seltsamer finde ich allerdings, dass man irgendwann nur noch will, was man bekommen kann, OHNE dass einen jemand augenscheinlich dazu zwingt!

    Was mich in meiner eigenen Zeit als Call Center Agent allerdings stets am Meisten fasziniert hat: Dass die weitaus meisten Leute, die behauptet haben, sie hätten kein Interesse an einer Telefonbefragung, dies derart bereitwillig begründen, dass es nur noch weniger gezielter Fragen bedarf, sie auf das eigentliche Thema zu bringen und die Befragung mit ihnen durchzuführen. Es scheint Menschen unheimlich gut zu tun, Dampf ablassen zu dürfen. Sie sind anschließend unglaublich dankbar und leicht lenkbar...



  • Sie wollen meine Meinung? Sie können meine Meinung doch überhaupt nicht ertragen!
    Ich werde Ihnen meine Meinung einfach sagen und dann müssen sie selber sehen wie sie damit klarkommen.
  • Sie wollen ja nicht, dass du deine Meinung sagst.
    Sie wollen, dass du sie abgibst...

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